Wie billig darf Bio sein

„Wie billig darf Bio sein“, war die Überschrift einer Reportage am Montag Abend im ersten deutschen Fernsehen (ARD). In dieser Sendung wurden Missstände insbesondere in der Tierhaltung in ökologisch wirtschaftenden Betrieben aufgezeigt.
Wenn etwas billig ist, bzw. zu billig ist geht das immer auf Kosten von Dritten. Obwohl das jeder weiß, verdrängen es fast alle. Es geht eben nicht für 5 € ein T-Shirt zu fertigen, genauso wenig geht es für 30 Cent einen Bund Radieschen zu verkaufen, es sei denn die osteuropäischen Mitarbeiter arbeiten im Akkord für 5 Cent pro Bund. (150 Bund in der Stunde schafft man in der ersten Stunde, aber nicht in jeder Stunde des Tages) Mögen in der pflanzlichen Erzeugung noch Potentiale stecken ökologisch erzeugte Produkte noch etwas günstiger zu erzeugen, ist dies in der Tierhaltung ausschließlich auf Kosten der Tiere möglich. Man kann zum Beispiel bei Legehennen anstatt 3000er Einheiten,  wie sie bei Bioland vorgeschrieben sind, 10.000er Einheiten halten, anstatt 6 kann man 7 oder auch 8 Hennen/m² halten, anstatt 95% Biofutter nur 90% verwenden, anstatt regionales oder eigenes Getreide billiges Getreide aus Osteuropa als Futter zukaufen, anstatt Jungtiere aus ökologischer Herkunft solche aus konventioneller Aufzucht verwenden. Wenn jede dieser einzelnen Maßnahmen nur 1 Cent Kosten einspart, ist das Ei eben am Schluss 8 bis 10 Cent billiger.
Bei Mastgeflügel und Schweinen lassen sich ähnliche Berechnungen durchführen. Dieser Druck auf die Preise kommt natürlich von der konventionellen Tierhaltung. Dort stoßen wir heute in Größenordnungen vor, die man selbst bis vor kurzer Zeit noch nicht für möglich gehalten hat. So werden in den ostdeutschen Bundesländer zur Zeit Schweinemastanlagen mit mehreren 10 000 Mastplätzen geplant. In diese Richtung will der Lebensmitteleinzelhandel die Biobetriebe auch schieben. Billige, große und gut händelbare Einheiten.
So kennt er es und so will er es auch in Bio. Doch so geht es nicht in Bio. Zurück zum Anfang: Bio, insbesondere Biofleisch kann nie billig sein. Biofleisch wird immer ein Luxus bleiben, den man, wenn man ihn will, sich leisten wollen muss.

Diese Woche gab und gibt es die letzten Landgurken aus unseren Gewächshäusern. Die Spinnmilben, die Läuse und der Mehltau haben letztendlich doch die Schlacht gewonnen. Nicht desto Trotz war es für uns ein sehr gutes Gurkenjahr mit einem hervorragenden Ertrag. Am Dienstag dieser Woche schnitten wir die Gurken vom Haltedraht ab, zerkleinerten sie mit einer Maschine und frästen sie anschließend in den Boden ein. So gesehen haben Läuse und Spinnmilben nun doch verloren. Heute am Donnerstag pflanzen wir in das Gurkenhaus schon wieder Postelein, Winterkresse und Hirschhornwegerich. Alle drei Pflanzenarten sollten, wenn wir keinen zu harten Fröste bekommen den Winter überdauern und können dann mehrmalig  bis ins Frühjahr hinein geschnitten werden. Draußen auf unseren Feldern säen wir diese Woche die letzen Felder mit Gründüngung  ein und beenden voraussichtlich auch die Kürbisernte.

Am Samstag 29. Sept. ab 11 Uhr findet wieder unser
Hof-Infotag statt.
Michael Braun

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