Reste essen ist zu kurz gesprungen Wochenbrief KW 12 2012

Liebe Kunden/innen

Die Kampagne unserer Landwirtschaftsministerin Ilse gegen die Verschwendung von Lebensmittel ist ehrenswert. Das erhofft sie sich jedenfalls, als sie öffentlichkeitswirksam erklärte, wie sie die Reste der Woche zu wohlschmeckenden Mahlzeiten zubereitet.
Aber Ilse sagt nichts darüber wie es so weit kommen konnte, daß uns unsere Lebensmittel nichts mehr Wert sind.

Sie sind uns nichts mehr Wert, weil sie nichts mehr Wert sind. Das ist der eigentliche Hintergrund bei der Debatte um MDH und Verschwendung. In keinem anderen Land geben die Menschen weniger Ihres Einkommens für Lebensmittel aus wie in Deutschland.

Die Bauern haben darauf reagiert indem Sie Ihre Produktionsverfahren in einem Ausmaß rationalisiert haben wie wir es vor einigen Jahren nie für möglich gehalten haben. Im Ackerbau drängt die Industrie auf die Einführung der Gentechnik, Mastanlagen für Hähnchen mit 40000 Tieren sind heute Standard, bei Mastschweinen  bewegt man sich heute in Größenordnungen zwischen 3000 und 10000 Tieren pro Stall und obwohl man in der Legehennenhaltung von der Käfighaltung auf die Kleingruppenhaltung umgestellt hat, hat sich an den grundsätzlichen Haltungsbedingungen der Tiere nichts geändert.
Wenn wir schon die Kreaturen nicht wertschätzen, schätzen wir auch den Wert ihrer Produkte nicht. So einfach ist das. Und darüber schweigt sich Ilse aus.

Den Landwirten ist hier allerdings der kleinste Vorwurf zu machen. Bei Gewinnen von weniger als einem Cent/Ei und einigen wenigen Cent/Brathuhn ist diese Entwicklung sozusagen alternativlos für die betroffenen Erzeuger und durch die durch die Politik gesetzten Rahmenbedingungen vorgegeben und sogar so gewollt. Wenn Ilse hier glaubwürdig bleiben will muss sie mehr liefern als ein Resteessen.

Doch auch der ökologischen Landbau hat in diesem Zusammenhang keinen Grund sich selbstgefällig auf die Schulter zu klopfen. Auch hier geht der Trend in der Tierhaltung zu immer größeren Beständen und auch hier versucht man den Tieren eine immer größere physiologische Leistung abzuverlangen. Auch hier wird ein Legehuhn nur ein Jahr alt, weil es danach ausgelaugt ist und auch die Brathähnchen werden kaum älter als acht Wochen. Der ökologische Landbau muss sich die Frage stellen: ist in dem Maße wie ökologisch erzeugtes Fleisch zur Zeit nachgefragt wird eine den Richtlinien entsprechende Haltung langfristig möglich. Hier geht es um die Verfügbarkeit der Flächen, die für die Freilandhaltung notwendig sind und zukünftig in noch viel größerem Maße notwendig wären und um die Verfügbarkeit der Futtermittel, insbesondere um das Futtergetreide für  Hühner und Schweine, das  in direkter Konkurrenz zur menschlichen Nahrung steht.
Auch muss darüber geredet werden, ob es richtig ist Düngemittel im ökologischen Landbau zu verwenden, die aus Schlachtabfällen hergestellt werden, die als Nebenprodukte bei der Schlachtung  von Tieren aus der Massentierhaltung anfallen.
Im Biolandverband wird zur Zeit eine sogenannte Leitbilddiskussion geführt, in der unter anderem auch diese Fragen erörtert werden.

Nächste Woche packen wir in die Obstkiste Äpfel mit kleinen Macken die durch einen leichten Hagel im Sommer des letzten Jahres verursacht wurden. Die Äpfel sind von der inneren Qualität her allerdings sehr gut.
Bei den Orangen haben wir zur Zeit sehr große Qualitätsunterschiede.  Diese Woche war eine Partie, die äußerlich hervorragend aussah im innern strohig und trocken, während die Blutorangen, die zugegebenermaßen sehr fleckig sind eine hervorragende innere Qualität aufweisen.

Nachdem wir letzte Woche das Sommergetreide gesät haben, werden wir diese Woche Klee und Gras aussäen. Auf diesen Kleegrasflächen darf dann im Sommer und Herbst unser Freilandgeflügel weiden. Gleichzeitig ist der Klee und das Gras wie ein Urlaub für die Ackerflächen. Sie erholen  sich in diesen ein bis zwei Jahren der Weidenutzung von den Strapazen der Ackerbaulichen Verwendung.

Auf unseren Gemüsefeldern werden wir diese Woche Bundmöhren, Mangold, Lauch, und Petersilienwurzel aussäen.

Nächste Woche dürfen Sie sich auf den ersten Bärlauch in diesem Jahr freuen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes sonniges Wochenende.

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