Warum aus 2% schnell 33% werden Wochenbrief KW 7 2012

Liebe Kunden/innen.

In diesen Tagen findet in Nürnberg die weltgrößte Biofachmesse statt. Die Presse berichtet von einem nahezu 10%igem  jährlichem Zuwachs von Bioprodukten. Die Branche feiert sich selbst und bedauert zugleich sehr öffentlichkeitswirksam, daß sie um den Bedarf zu decken, sehr viel Ware aus dem Ausland importieren muss.
Hier stellt sich natürlich der Verbraucher die Frage, warum in einem solch günstigen Marktumfeld nicht mehr Landwirte und Gärtner ihre Betriebe auf den ökologischen Landbau umstellen. Um diese Frage zu beantworten, muss man voranstellen, daß es sich bei dem ökologischen Landbau immer noch um einen Nischenmarkt handelt. Nach „aid Infodienst“ wurden in Deutschland 2011 nur 6% der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet. Das entspricht  ungefähr 1 Mill. ha. Eine Steigerung um 2% auf insgesamt 8% der landwirtschaftlich genutzten Fläche sind eben relativ gesehen auf die bisher ökologisch bewirtschafteten Fläche 33% mehr Fläche und  Ware. Selbst in einem Wachstumsmarkt, wie dem für ökologische Lebensmittel, sind solche Wachstumsraten so schnell nicht realisierbar. Das ist einer der Gründe, warum ein vermeintlich geringer prozentualer Zuwachs der ökologisch bewirtschaften Fläche, relativ gesehen auf die bisher bewirtschaftet Fläche sich nicht so einfach bewerkstelligen lässt.
Ein weiterer Hinderungsgrund für die Umstellung auf den ökologischen Landbau ist die zur Zeit sehr günstige Erlössituation der konventionellen Landwirtschaft und der ungebremste Zubau von Biogasanlagen der hiermit im Zusammenhang steht. Zu beobachten ist auch, daß wenn umgestellt wird, dies hauptsächlich auf Grenzertragsstandorten und in Grünlandgebieten, wie im
Schwarzwald oder dem Algäu, geschieht. Auf diesen Standorten ist die Ertragsminderung, durch die Umstellung auf den ökologischen Landbau nicht so hoch wie dies auf besten Ackerböden ist. Außerdem gibt es in diesen Gebieten auch nicht die Alternativen zum Anbau von Mais oder Zuckerrüben, die bislang im konventionellen Anbau noch die besten Erträge abwerfen.  Das bedeutet, daß obwohl wir im ökologischen Landbau einen Flächenzuwachs haben, dies nicht auf den Flächen geschieht die notwenig wären, um die Produkte anzubauen die nachgefragt werden, wie Gemüse, Kartoffeln, Obst oder auch Futtergetreide für die Tierhaltung.

Insbesondere den letzteren Punkt müssen wir im ökologischen Landbau jedoch kritisch betrachten. Durch die negative Berichterstattung über die konventionelle Tierhaltung ist die Nachfrage nach Fleisch und Eiern aus ökologischer Tierhaltung in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Aufgrund der geringeren Erträge im ökologischen Landbau ist aber eine, wie von vielen gewünschte, flächendeckende ökologische Landwirtschaft nur durch einen weitgehenden Verzicht auf tierische Produkte möglich, wenn das Futter dieser Tiere in Konkurrenz zu Lebensmitteln steht, die dazu geeignet wären Nahrungsmittel herzustellen die für den menschlichen Verzehr geeignet sind.

Auch eine wie von vielen Marktteilnehmern geforderten stärkeren staatlichen Förderung des ökologischen Anbaues und die Umstellung auf diesen, halte ich nicht für Zielführend. In den letzten 40 Jahren, seit dem wir unseren Betrieb  ökologisch bewirtschaften, erlebten wir einige solcher Maßnahmen, die immer zur Folge hatten, daß der Markt kurze Zeit später zusammenbrach. Wie ich vorher dargelegt habe, wirken sich eben in Nischenmärkten, kleine relative Steigerungen massiv auf die bisher absolut erzeugte Menge aus.
Der Markt muss vom Verbraucherverhalten heraus wachsen.
Wünschenswert, wäre auch, daß der Gesetzgeber mehr Mut hat restriktiv einzugreifen, anstatt zu fördern. Z.B. beim Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung. Man bekommt ja auch keinen Zuschuss, wenn man in der Tempo 30 Zone 30km fährt, im Gegenteil, man wird bestraft wenn man schneller ist.

Auf unserem Hof taut langsam alles wieder auf, zum Glück gab es keine Wasserrohrbrüche. Wie unsere Gewächshauskulturen die lange kalte Kälte überstanden haben  wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Zuallererst müssen wir, wenn der Boden bis in 15 cm Tiefe aufgetaut ist, die Kulturen gründlich bewässern . Denn Kälte trocknet nicht nur die Haut aus.

ich wünsche Ihnen aus dem pietistischen Aurich einen fröhlichen feuchten Fasching.

Dieser Beitrag wurde unter Wochenbrief veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Warum aus 2% schnell 33% werden Wochenbrief KW 7 2012

  1. BibiS sagt:

    Lieber Herr Braun,
    manchmal hat es doch etwas Gutes, wenn Schreckensmeldungen über Tierhaltung, Krankheiten und Fleischskandale durch die Medien geistern. Denn den ein oder anderen rüttelt es wach – so wie mich.
    Seit der letzten Meldung kaufe ich kein konventionelles Fleisch mehr. Das gibt´s nur noch vom Biohof. Auch auf die abgepackte Wurst wird so gut es geht verzichtet. Die dadurch logischerweise höheren Kosten werden nun mit mehr Fleisch- und Wurstverzicht kompensiert. Anders geht das nicht. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Fleisch wird – wie früher – zu einem seltenen dafür aber besonderen Gaumenerlebnis und wegwerfen gibt es gleich gar nicht mehr.
    Schade nur, dass das Umdenken bei viel zu wenig Leuten stattfindet. Meistens gilt doch die Devise “Geiz ist geil” – viel wollen für wenig Geld.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>