Die Gemüsewelle Wochenbrief KW 12 2011

Liebe Kunden/innen

Die Gemüsewelle, noch wird sie flacher.

Letzte Woche beschwerte sich eine Kundin, weil wir so wenig regionales Gemüse anbieten. Sie hat recht, das stimmt, wenn dann noch draußen die Sonne scheint und der Frühling beginnt könnte man  meinen, aber jetzt wächst doch alles. Ja es wächst alles, aber leider ist fast noch nichts erntereif, so ist das im Frühling. Aus Deutschland gibt es zur Zeit noch Rotkohl, Weißkohl, ganz vereinzelt noch Möhren (die aber in schlechter Qualität) und etwas Petersilienwurzel und Sellerie. Dazu kommt noch etwas Ware aus den Gewächshäusern, das sind Feldsalat (diese Woche zum letzten Mal) Petersilie, Ruccola, und in zwei Wochen Spinat. Das ist gerade nicht sehr abwechslungsreich.

Das Angebot und die Verfügbarkeit von deutschem Obst und Gemüse kann man übers Jahr gesehen mit einer Welle vergleichen. Sie beginnt im April, wenn die ersten Gemüsearten aus den Gewächshäusern erntefertig sind, dann kommen Anfang Mai die ersten Freilandsätze aus den Frühanbaugebieten, wie z.B. der Pfalz, dazu. Mitte bis Ende Mai kommt das Gemüse von unseren Feldern auf unser Angebot. Dazu kommen Ende Mai die Beeren und das Obst von unseren Kollegen aus der Nachbarschaft, wie Rhabarber, Erdbeeren, Johannisbeeren und Himbeeren. Bis Dezember und Januar ist dann eine fast 100%ige Verfügbarkeit aus Deutschland für Gemüse vorhanden. Unsere eigene Gemüseerzeugung deckt in dieser Zeit  bis zu 70 %  unseres Angebotes ab. Wir auf unserem Betrieb konzentrieren uns auf Gewächshausprodukte, und auf Sägemüse im Freiland, wie Spinat, Mangold, Zuckermais, Buschbohnen, Zucchini, Kürbis, Rote Beete und Petersilienwurzel.  Übers Jahr bauen wir zwischen 30 und 40 verschieden Gemüsesorten an.
Für die anderen Produkte haben wir Anbauabsprachen mit Kollegen. Dabei handelt es sich um die Feldkulturen die, um sie rationell zu erzeugen,  einen hohen finanziellen Aufwand erfordern, wie z.B. Möhren, Rotkraut, Weiskohl, Wirsing, Pastinaken. Alle Kollegen mit denen wir solche Anbauabsprachen machen, sind natürlich Mitglieder in den Bioverbänden, wie Bioland, Demeter oder  auch Naturland.

Von Februar bis April wird dann die Welle flacher und flacher und erreicht Ende April ihren Tiefpunkt. Das ist dann die Zeit in der die ersten Gewächshauskulturen noch nicht erntefähig sind und die Lagerware  wie Kohl, und Wurzelgemüse zuende geht.

Wir sind aber bestrebt durch unsere Anbauplanung und durch unsere Kooperationen immer auch in dieser Zeit wenigstens einen kleinen Anteil eigener und regionaler Ware anzubieten. Zur Zeit ist es Bärlauch, Ruccola, Petersilie, Rotkraut, Weiskohl, schwarze Rettich, Sellerie, Petersilienwurzel und Feldsalat. Auch die Äpfel sind immer noch von unseren regionalen Kollegen. Übernächste Woche haben wir dann eigenen Schnittlauch und darauf folgt auch schon der erste Spinat aus dem Gewächshaus in diesem Jahr.

Um die Obst und Gemüsesortimente wenigstens einigermaßen abwechslungsreich für Sie, unsere Kunden, zu gestalten greifen wir jetzt auch verstärkt auf ausländische Bioware zurück. In den Auslagen der Kaufhäuser und Naturkostläden werden Sie ein ähnliches Bild feststellen.

Aber auch bei der ausländischen Ware gehen wir nicht wahllos zur Sache. Sämtliche Ware aus dem Ausland beziehen wir von nur einem Großhändler. Es ist die Firma Ecofit aus Stuttgart. Die Firma Ecofit ist Vertragspartner von Bioland und selbstverständlich auch kontrollpflichtig wie unser Betrieb.

Unsere Grundsätze bei der Zusammenstellung unseres Agebotes lauteten:
1.    Ausschließlich zertifizierte Bioware
2.    Vorrang hat Verbandsware vor “nur EU Zertifizierter” Ware
3.    So viel wie möglich vom eigenen Betrieb.
4.    können Kollegen ein Produkt besser und günstiger erzeugen als wir, machen wir mit diesen Kollegen Anbauabsprachen. Z.B. bei Möhren der Betrieb Burger, bei Äpfel der Betrieb Betzler.
5.    So viel wie möglich Ware aus der Region. Region bedeutet für uns der Süddeutsche Raum
6.    So viel wie möglich Ware aus Deutschland.
7.    Erst dann denken wir über Ware aus dem Ausland nach.

Bei den Abwägungen welches Gemüse wir in unseren Sortimenten einplanen und unseren Kunden anbieten spielt natürlich auch die Qualität der Ware eine Rolle. So konnten wir bis vor drei Wochen noch Möhren von der Familie Burger anbieten. Leider war es danach nicht möglich deutsche Biomöhren in einer Qualität zu finden die uns gerecht wurde und die wir auch unsern Kunden, Ihnen, schuldig  sind. Deshalb bieten wir nun seit kurzer Zeit Bio-Möhren aus Italien an.
Ende Mai gibt es dann hoffentlich wieder die ersten Frühmöhren vom Biolandbetrieb Merz aus der Pfalz und Mitte Juli beginnt der Biolandbetrieb Burger mit der Möhrenernte.

Auch der Käse lebt von der Vielfalt, deshalb haben wir auch ausländischen Käse im Angebot. Daneben versuchen wir verstärkt mit regionalen Milcherzeugern zusammenzuarbeiten . Hier kann ich den Betrieb Blessing aus Wiernsheim nennen von dem wir Milch, Milchprodukte und Käse im Angebot haben, oder auch den Betrieb Golderer der uns mit Ziegen- uns Schafmilchprodukte beliefert.
Wir sind auch in diesem Bereich noch auf der Suche nach weiteren Kooperationspartnern.

Bedenken Sie bitte auch, daß unser Wohlstand, speziell in unserer Region, sehr stark vom Export abhängig ist. So gesehen sollten wir uns auch nicht zu sehr gegen ausländische Ware sperren sofern sie regional nicht verfügbar ist und die Qualität stimmt. Ich hoffe ich konnte Ihnen erklären, warum zur Zeit so viel ausländische Ware in unserem Angebot ist.

Nächste Woche packen wir in unsere Sortimente: Möhren, zuccini, Mangold, Lauch,Tomaten, Salat, Ruccola, Bärlauch und Petersilie.
Grüße
Michael Braun

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Eine Antwort auf Die Gemüsewelle Wochenbrief KW 12 2011

  1. Leibold-Erb sagt:

    Hallo Herr Braun,
    ein schöner ausführlicher Bericht über die Gemüsewelle. Aber mal ganz ehrlich, wer dieser Tage die Medien verfolgt, dem ist doch eigenlicht egal ob es nun zum dritten Mal hintereinander Weißkraut oder Wirsing gibt. Hauptsache wir werden niemals einer solchen Katastrophe wie die Menschen Japan ausgesetzt sein. Diese Menschen wären froh, sie hätten nur das Problem eines zu geringen regionalen Warenangebots gerade um die Ohren.

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